Körper und Seele verwöhnen

Körper und Seele verwöhnen in der Provence
Körper und Seele verwöhnen
in der Provence

Endlich loslassen, den Kopf frei bekommen, den verspannten Körper warmen Meerwasserstrudeln und dem sanften Druck geübter Hände überlassen. Die Entspannungswoche in der Provence beginnt mit zwei Rundum-Verwöhn-Tagen. Frankreich ist weltweit der größte Anbieter von Thalassotherapien. 1869 erfand der französische Arzt La Bounardière die Behandlungsmethode, die auf die Heilkraft des Meeres setzt. Anfangs wurden kaltes oder erwärmtes Meerwasser, Meeresluft, Sonne, Algen, Schlick und Sand angewendet, um Infektionskrankheiten zu behandeln. Heute hat die Therapieform mit dem Wellness-Trend neue Bedeutung für Entspannung und Wohlbefinden. In vielen Badeorten an der Mittelmeerküste findet man Hotels mit Thalasso-Zentren und eigenen Badestränden, zum Beispiel in Bandol.

Meersalzbäder und Algenwickel

Traumhaft Entspannen
Eine malerische Bucht, eingerahmt von pinienbewachsenen Hängen: Es ist kein Zufall, dass Bandol einer der ältesten Badeorte der Côte d’Azur ist. Zu den prominentesten Gästen gehörten Thomas Mann, Katherine Mansfield, Aldous Huxley, die Brüder Lumière und Marcel Pagnol. Heute wirkt der Ort mit knapp 8.000 Einwohnern sehr nobel. Schöne Häuser inmitten üppig blühender Gärten prägen das Bild, Palmen säumen die Strandpromenade. Einige feine Sandstrände und kleinere Buchten laden zum Baden ein. Im Sporthafen von Bandol schaukeln rund ums Jahr bis zu 1.500 Yachten, Segel- und Fischerboote. Ein kleiner Küstenpfad Richtung Saint Cyr-sur-mer lädt zu Spaziergängen ein, lohnend sind Ausflüge in das hügelige Hinterland mit mittelalterlichen Dörfern wie Castellet oder La Cadière d’Azur. Das Hinterland hat Bandol weltberühmt gemacht. Hier wird ein exzellenter Wein angebaut: der Bandol. Es gibt ihn als schweren, samtigen Roten, als fruchtigen, reinrassigen Rosé und als kraftvollen Weißen.
Blick über das Meer
Doch erst einmal heißt es abschalten, die Augen schließen, sich wohlig im Becken mit dem circa 35 Grad warmen prickelnden Meerwasser treiben lassen. Die Wärme lässt mineralische Salze und Spurenelemente besser in die Haut eindringen. Zu einer Thalassotherapie gehören neben Meersalzbädern auch Sprudel- und Unterwassermassagen, Algenwickel und Schlickpackungen. All das hilft gegen Stress, Erschöpfung, Verspannung und Kreislaufbeschwerden. Und ganz nebenbei strafft es die Haut.

Das Salz auf der Haut

Salz auf der Haut
Das Thalasso-Zentrum bietet in einem vom Zen-Buddhismus inspirierten Bereich verschiedene Massagen und Aromatherapien an. Sanfte Entspannungsübungen sind Balsam für die Seele. Zwischen den verschiedenen Anwendungen ist Zeit für faule Stunden am Strand. „Das Meer wäscht alle Beschwerden weg,“ glaubte schon der griechische Philosoph Platon.
Entspannung pur
Mit den Zehen den Sand durchpflügen, die schönsten Muscheln finden, am Saum der Wellen entlang spazieren, das Salz auf der Haut spüren. Einfach die Zeit vergessen. Wegen der starken Sonneneinstrahlung sollte man es zwar nicht übertreiben, aber die Wärme und das intensive Licht des Südens fördern das körperliche und seelische Wohlbefinden und sorgen für ein ganz neues Körpergefühl. 320 Sonnentage locken nach Bandol – und feine Sandstrände, westlich vom Ort etwa die kleine Bucht Calanque de Port d’Alon.

Der König des Pastis lädt auf seine Insel

Ile de Bendor
Nach zwei Tagen Wellness erwachen die Lebensgeister neu. Jetzt sind Sie im positiven Sinne reif für die Insel: Von Bandol aus setzt im Halbstundentakt ein Boot zur Ile de Bendor über. Das Inselchen wurde von den Sarazenern im 13. Jahrhundert verwüstet, im 17. Jahrhundert diente es dem Sohn des Grafen von Cadière als Zuflucht im Exil. Heute gehört die Insel dem König des Pastis, Paul Ricard. Als er sie 1950 kaufte, war sie verlassen, nur ein paar Langustenfischer setzten manchmal einen Fuß darauf. Ein tropischer Garten mit seltenen Pflanzen gehört zu den Attraktionen der Ile de Bendor. Die Insel beherbergt, neben einer ständigen Ausstellung der Familie Ricard mit Weinen und Spirituosen, einige Luxushotels sowie ein renommiertes Tauchzentrum. Und jede Menge Strände laden nach dem Spaziergang zum Baden ein.

Minikreuzfahrt auf einem Katamaran

Minikreuzfahrt auf einem Katamaran

Immer stärker lockt das türkisfarbene Meer. Ihr Rendezvous ist in Marseille am Fuß des Forts Saint-Jean zum Frühstückskaffee an Bord eines Katamarans. Schon werden die Leinen gelöst. Das Boot ist einundzwanzig Meter lang, zehn Meter breit, es liegt sehr stabil im Wasser. Und keine Angst, „Far niente“ ist angesagt, also Nichtstun. Die freundliche Bordbesatzung steuert den Katamaran auch ohne Hilfe. Aber wer will, darf auch ein paar Handgriffe übernehmen. Der Katamaran nimmt Kurs auf die Ile de Riou. Die liegt vor dem Südzipfel der Bucht von Marseille.

Nach einem ersten Badestopp ist es auch schon Zeit für den Aperitif und das Mittagessen an Bord. Anschließend Siesta, oder die imponierende Steilküste bewundern. Vor der Calanque d’En Vau besteht die Möglichkeit zu tauchen. Die kleine Bucht ist nur vom Wasser aus oder nach einer langen Wanderung zu erreichen. Wenn der Wind mitspielt, geht es am frühen Abend mit vollen Segeln und durchschnittlich 20 Knoten zurück nach Marseille.
Badestopp vor Calanque d’En Vau

Spaziergang durch Steineichen-Wälder und Garrigue

Steineichenwälder an der Küste
Aufbruch zu einem kleinen Ausflug in das Massif de Ste. Baume. Durch das kleine Örtchen Le Beausset oberhalb von Bandol führt die Straße parallel zur Küste über den Col de l’Ange (218 m) bis nach Gémenos. Von hier geht es aufwärts Richtung Col de l’Espigoulier. Aber bevor die kleine Straße immer steiler wird, liegt rechterhand der Parc de St-Pons, ein 50 ha großer Naturpark. Wie geschaffen für einen wunderschönen Spaziergang durch uralte Steineichenwälder mit Bachläufen und Wasserfällen. Der Park wurde bereits im 18. Jahrhundert angelegt. Nahe der Quelle von St. Pons befinden sich die Ruinen einer Zisterzienser-Abtei aus dem 13. Jahrhundert. Ein stiller Ort, ideal zum Innehalten und Kraft tanken.
Karge Landschaft
Wer mag, fährt auf der serpentinenreichen Straße nun noch weiter hinauf. Die Landschaft wird immer karger und gibt ständig neue Ausblicke frei. Der Pass liegt mehr als 730 Meter hoch. Wem die Kurverei zu anstrengend wird, der kann wieder hinunter in das Städtchen Gémenos fahren und dort ausspannen.

Chaotische Landschaft aus weißem Stein

Montagne de Marseilleveyre
Paul Cézanne hat hier oben gesessen und ein Bild gemalt. Vielleicht war es auch nur die Skizze für das später entstandene Bild. Heute führt eine Straße fast ganz hinauf auf die Montagne de Marseilleveyre (432 m) südlich von Marseille. Auf der Fahrt mit dem Katamaran zur Ile de Riou konnte man den Berg schon vom Meer aus sehen. Er gehört geologisch zu den Calanques. So wird die 20 km lange zerklüftete Steilküste zwischen Marseille und dem Badeort Cassis bezeichnet.
Thymian und Rosmarin

Chaotisch wirkt die Landschaft des Marseilleveyre. Als hätte der liebe Gott die Felsbrocken vom Himmel geworfen. Das letzte Stück des Weges muss zu Fuß zurückgelegt werden. Welch ein Kontrast: Ganz unten das tiefblaue Meer und oben der weiße Fels. Immerhin: Thymian und Rosmarin wachsen hier oben noch. Und hin und wieder ein paar windschiefe Bäume, zumeist Pinien. Der Weg ist ausgeschildert. Die kleine Anstrengung wird mit einem überwältigenden Blick auf die Bucht von Marseille und die vorgelagerten Inseln belohnt. Wanderer benötigen einen halben Tag, wenn sie von unten aufsteigen. Steilwände zu beiden Seiten von sage und schreibe 1.000 Hektar Fläche locken auch Kletterer von weither an.

Nach dem Abstieg zum Parkplatz Callelongue die Frage: Steht der Sinn nach einem Bummel in Marseille oder soll es gleich nach Avignon weitergehen? Dort wartet nämlich am nächsten Morgen eine Verabredung.

Eintauchen in die Farbe Blau

Panoramalandschaft

Szenenwechsel: Nach den schroffen, kargen Küstenfelsen verträumte Weinhänge, stille Bergdörfer, blühende Lavendelfelder. Auch diese, eigentlich vertrautere Provence erfrischt und schärft die Sinne. Von Avignon aus geht die Fahrt um 9 Uhr morgens zunächst zu dem kleinen Lavendel-Museum in Coustellet. In der Nähe von Gordes biegt der Wagen dann auf einen holprigen Pfad ab. Links und rechts wiegen sich die Lavendelbüsche. Die Linien der gepflanzten Reihen folgen sanft der hügeligen Landschaft. Bald steht die Sonne hoch am Himmel. Es ist Zeit für ein Picknick im Lavendelfeld.
Dann wird die Staffelei ausgepackt. Vergessen wir mal ganz schnell alle Postkarten-Bilder! Bloß kein Ehrgeiz. Konzentration auf das eigene Bild. Bei Bedarf unter fachkundiger Anleitung. Vier Stunden Atmen mit der Natur: Das Sehen neu lernen, aufmerksam werden für Linien, Schattenmuster, feinste Strukturen. Diesen Malkurs wird keiner so schnell vergessen. Ein Blick auf das eigene Bild reicht später aus, damit der betörende Duft des Lavendels mitten im Alltag wieder in die Nase steigt. Und die Grillen wieder zirpen...
Schmetterling