![]()
![]()
Welcher Landstrich wäre besser geeignet, das Leben mit allen Sinnen zu genießen, als die Provence? Welche Stadt als Ausgangspunkt einer Genuss-Reise passender als Aix, die Sinnliche? Hier paaren sich südliche Gelassenheit und pulsierendes Leben. Noch im vergangenen Jahrhundert wurde die Stadt als langweiliges Provinznest verspottet. Sie zählt auch heute nicht mehr als 137.000 Einwohner. Jedoch ist Aix-en-Provence mit seinen vielen prächtigen Barockpalästen und seinen edlen Flaniermeilen unter mächtigen Platanen an Schönheit kaum zu übertreffen. Dazu ist sie eine junge Stadt, deren drei Universitäten magisch Studenten anziehen. Sie machen inzwischen mehr als ein Viertel der Bevölkerung aus.
Aix hat sich zur intellektuellen und kulturellen Hauptstadt des Departements Bouches du Rhône entwickelt, deren Opernfestival alljährlich die Haute Volée der ewigen Konkurrentin Marseille anlockt.


Prachtvoll verzierte Fassaden, mächtige Portale – Aix-en-Provence besitzt fast 200 herrschaftliche Stadtvillen. Sie alle stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, als das provenzalische Parlament seinen Sitz hier hatte, eine Art oberster Gerichtshof. 1501 hatte Ludwig XII. das Parlament in Aix eingesetzt. Erst knapp 20 Jahre zuvor war die bis dahin unabhängige Grafschaft an die französische Krone gefallen. Der Parlamentssitz bescherte vor allem den Parlamentariern selbst Reichtum und Privilegien. Besonders viele ließen sich im Quartier Mazarin nieder, ein Viertel, das südlich den Cours Mirabeau angrenzt. Bischof Mazarin ließ das Viertel schachbrettartig anlegen. Hier kostet der Quadratmeter Wohnfläche mittlerweile bis zu 6.000 Euro. Aix ist nach Paris heute das teuerste Pflaster. Angeblich möchte jeder zweite Franzose hier wohnen.
| Ein Spaziergang durch Aix-en-Provence ist ein Genuss fürs Auge. Der vielleicht schönste Platz von Aix, die „ Place d’Albertas“, wurde ursprünglich als private Terrasse gebaut. Das erklärt womöglich, warum hier ausnahmsweise keiner der 101 schönen Brunnen der Stadt zu finden ist. 1650 klapperten die ersten Kutschen über die breite Platanenallee des Cours Mirabeau, der später zur Flaniermeile von Aix avancierte. Heute trifft man sich dort auf der Terrasse des berühmten „Bistro des Deux Garçons“ zum Apéro. Die auswärtigen Gäste malen sich dann aus, wie schon Paul Cézanne und Emile Zola hier einst saßen und beim Pastis über die Kunst debattierten. Ein Blick ins Innere des Cafés lohnt. |
Der Saal im Empirestil steht unter Denkmalschutz. Zum Abendessen geht es dann nur ein paar Schritte weiter und einmal um die Ecke in das Restaurant L’Amphitryon. Hier forscht Küchenchef Bruno Ungaro unermüdlich nach neuen kulinarischen Genüssen – nach eigenem Bekunden immer auf der Basis von Olivenöl, Knoblauch und heimischen Kräutern. |
| Ein kleines Gericht hat seinen Ruhm begründet: „Petits farcis de légumes provençaux au jus d’ail“. Klingt eigentlich ganz einfach, aber gerade das Einfache gelingt ja manchmal besonders schwer. Ein paar Häuser weiter die „Villa Gallici“: Das Restaurant in dem märchenhaften Barockpalast hat zwar keine zwei Sterne, dafür aber ein äußerst exquisites Ambiente. Wer hier speisen will, muss sich allerdings auch im Hotel einquartieren. Es gilt als das luxuriöseste überhaupt in der Provence. |
| Wer mehr über Architektur und Geschichte des Zentrums von Aix-en-Provence erfahren will, kann sich mittwochs oder samstags einem zweistündigen geführten Rundgang anschließen. Die Stadt lässt sich natürlich auch mit den Augen ihrer berühmtesten Söhne erkunden: Paul Cézanne und Emile Zola. Für den Bummel auf eigene Faust bietet das Quartier Mazarin nicht nur das Schwelgen in barocker Baukunst. In dem eher stillen Viertel wechseln sich exklusive Modeboutiquen (Ines de la Fressange, Agnès B. oder Laura Ashley) mit feinen Antiquitätengeschäften ab. |

Die Ballonfahrt hätte ewig so weitergehen können. Hoch oben in der Luft setzt jedes Zeitgefühl aus. Das Abheben war sanft, kein komisches Gefühl im Bauch wie in einem Aufzug. Bei der Landung kann es schon mal einen kleinen Stoß geben. Unten am Boden werden die Fluggäste zum Aérodrome bei Salon-de-Provence zurückgebracht. Danach bietet sich ein Besuch von Les-Baux-de-Provence an. Hier soll es das beste Olivenöl Südfrankreichs geben.

| Die teuersten Weine der Provence haben einen Namen: Châteauneuf du Pape. Für Weinfreunde lohnt sich ein Ausflug in das kleine Städtchen. Weinproben bei einem der dortigen Winzer bieten sich an. Eine Alternative ist seit einigen Jahren die Cave du Verger des Papes, ganz oben im Dorf, gleich unterhalb der Schlossruinen. Sie steht in engem Kontakt zu 70 der gut 200 Weingüter, die das Etikett Chateauneuf-du-Pape AOC tragen dürfen. 13 Rebsorten sind in den AOC-Weinen Châteauneuf-du-Pape erlaubt, vorherrschend sind Grenache und Syrah. In der Cave du Verger erfährt man, welche Verfahren die einzelnen Weingüter hinsichtlich Lagerung, Gärung und zum Beispiel auch Temperatur bevorzugen. In Châteauneuf-du-Pape lässt sich in einem kleinen Museum auch die Geschichte der AOC-Herkunftsbezeichnung studieren. Seit 1929 werden Weine mit diesem Prädikat geadelt. |
![]() |
![]() |

Puyricard liegt nördlich von Aix-en-Provence, keine zehn Minuten Autofahrt entfernt. Das Schöne an der Schokoladenfabrik dort: Sie gibt ihr Wissen in Sachen Schokolade bereitwillig an interessierte Schleckermäuler weiter. Na ja, zumindest das Grundwissen. Die hohe weiße Bäckermütze auf dem Kopf, im Französischen
Zuerst bringen die Chocolatiers die Rohmasse zum Schmelzen, 5-Kilo-Blöcke aus Südamerika oder von der Elfenbeinküste. Dann können unter fachkundiger Anleitung eines „Maître“ einige der hauseigenen Schokolade-Spezialitäten selbst hergestellt werden. Aber auch eine Besichtigung ist möglich.
Die Chocolaterie de Puyricard hat in der Provence eine fast 40-jährige Tradition. Sie wurde von einem belgischen Ehepaar gegründet, das 1967 von Kinshasa nach Aix-en-Provence zog. Rund 90 verschiedene Schokolade-Spezialitäten werden hier hergestellt. Natürlich auch die berühmten Mandeltörtchen namens Calissons, eine Spezialität von Aix-en-Provence.

Genug in der Schokolade gerührt und womöglich selbige von den Fingern geschleckt. Am Nachmittag geht die Fahrt in den Luberon. Die Gegend um das horizontal verlaufende Gebirgsmassiv östlich von Avignon gilt vielen als die eigentliche Provence. Eine zauberhafte Landschaft, in der feine AOC-Weine angebaut werden, im östlichen Teil auch besonders viel Lavendel. Einchecken bei Restaurant-Chef und Kochlehrer Patrick Payet. Er wohnt in Goult, einem versteckt gelegenen Dörfchen. Hier betrieb er 20 Jahre lang das Gourmet-Restaurant „Le Tonneau“, heute konzentriert er sich vor allem auf seine Kochschule und führt nur noch ein kleines Bistro im Ort. Der 60-jährige Franzose ist vor vielen Jahren selbst bei einem der bekanntesten Spitzenköche Frankreichs, Roger Verge, in die Lehre gegangen. Die letzten 23 Jahre seines Lebens hat er nach eigenen Worten damit verbracht, seine Kochkünste ständig zu verfeinern.
Sein liebevoll restauriertes Haus aus dem 18. Jahrhundert findet man gegenüber des heute privat bewohnten Schlosses des Barons d’Agoult. Beim Begrüßungsdrink wird der genaue Plan für die nächsten drei Tage besprochen. Fest steht nur ein täglicher Programmpunkt: von 16 bis 20 Uhr wird unter der Anleitung des „Maître de cuisine“ gekocht. Dann nämlich führt Patrick Payet in die Geheimnisse der provenzalischen Küche ein.
Die Teilnehmer lernen, eine echte „sauce béchamel“ oder eine „tapenade“, also eine Paste aus Oliven und Anchovis, vollendet zuzubereiten. Sie erfahren, welche Köstlichkeiten man mit Zucchiniblüten zaubern kann oder wie man eine hauchzarte „tartelette de pâte feuilletée“ zubereitet. Bei komplizierten Fleisch- oder Fischgerichten gibt der Lehrmeister Tipps zur Verfeinerung der Saucen und natürlich zum wohldosierten Einsatz der berühmten Provence-Kräuter. Selbstverständlich müssen die deftig-raffinierten Gerichte anschließend bei einer edlen Flasche Wein aus der Gegend auch ausgiebig gekostet und begutachtet werden. |
| Nachdem der Küchenplan und das touristische Programm für die nächsten Tage fest stehen, bleibt vor dem Abendessen noch Zeit, den kleinen Ort Goult genauer in Augenschein zu nehmen. Die alten Steinhäuser sind liebevoll restauriert, auf kleinen Plätzen spenden hundertjährige „Micocouliers“ (provenzalische Ulmengewächse) Schatten. Mitglieder eines kleinen Vereins haben alte Trockensteinmauern unterhalb des Dorfes erneuert und einen kleinen Spazierpfad angelegt. |

Später bietet sich noch ein Besuch im Lavendelmuseum von Coustellet an.
Die Familie Lincelé produziert und destilliert seit Generationen echtes, ätherisches Lavendelöl und zeigt hier Destillierapparate aus vier Jahrhunderten. Ein kurzer Film veranschaulicht, wie heutzutage der Lavendel geschnitten und zu heilkundlichen und kosmetischen Produkten verarbeitet wird, etwa zu Duschgel oder pflanzlicher Seife.
An der Straße nach St. Pantaléon liegt eine vollständig erhaltene Ölmühle aus dem 16. Jahrhundert. Der Moulin des Bouillons besitzt eine sieben Tonnen schwere Presse aus einem zehn Meter langen Eichenholz-Stamm. Sie datiert aus gallo-romanischer Zeit. Man nimmt aber heute an, dass schon die Griechen die Olivenkultur vor etwa 2500 Jahren in der Provence eingeführt haben.
Bevor die angenehme Pflicht wieder in die Küche ruft, bleibt noch Zeit für einen Abstecher in das Museumsdorf Village des Bories. Hier sind Trockensteinbauten zu bewundern. Vereinzelt gibt es sie überall im Süden Frankreichs, doch hier bilden sie gleich ein ganzes Dorf. Noch immer sind sich die Wissenschaftler nicht einig, ob manche der kleinen Rundhäuschen im 14. oder erst im 18. Jahrhundert errichtet wurden und warum ihre Bewohner sie überhaupt noch mit der damals schon veralteten Technik ohne Mörtel bauten.
Mit dem Küchenchef auf Zeit muss natürlich auch eine Weinprobe auf einem der umliegenden Weingüter unternommen werden. Auch die Käsespezialitäten des Luberon werden gemeinsam verköstigt. Das „Maison de la truffe et du vin“ in Ménerbes bietet zweimal in der Woche Weinseminare und von Dezember bis Februar auch Trüffelseminare an.
Am letzten Abend des dreitägigen Kochkurses in Goult verteilt der Küchenchef Zeugnisse. Aber keine Angst, niemand fällt hier durchs Examen. Mit Sicherheit wird zu Hause so mancher neu erlernte Handgriff, so mancher Trick zur Verfeinerung eines Gerichts zur Gewohnheit. Und wahrscheinlich werden auch öfter einmal ein Côte d’Agneau mit frischen Kräutern oder ein anderes Gericht à la Provençale auf dem Tisch stehen, wenn Gäste kommen.



























